Besonders in der dunklen Jahreszeit fühlen sich viele Menschen ständig müde und energielos. Meistens liegt es daran, dass es früh dunkel wird und die Sonnenstrahlung auch tagsüber wesentlich schwächer ist als im Sommer. Manchmal steckt jedoch eine Fehlfunktion der Schilddrüse dahinter.

Welche Aufgaben übernimmt die Schilddrüse im Körper?

Unsere Schilddrüse befindet sich am Hals unterhalb des Kehlkopfs und hat ein schmetterlingsförmiges Aussehen. Dank Internet, Facebook & Co wissen die meisten Leute, dass dieses Organ den Stoffwechsel im Körper kontrolliert. Dies geschieht mithilfe der Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die in der Schilddrüse gebildet und anschließend an den Blutstrom abgegeben werden. So gelangen die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone in den gesamten Organismus und können überall ihre Aufgaben wahrnehmen.

T3 und T4

  • kurbeln die Energieproduktion in den Zellen an,
  • erhöhen den Pulsschlag und den Blutdruck,
  • regeln die Körpertemperatur,
  • beeinflussen Gewichtszunahme und -abnahme,
  • steuern unseren Schlaf.

Anhand dieser Wirkungen lässt sich sofort erkennen, was geschieht, wenn eine Schilddrüse Über- und Unterfunktion vorliegt. Wie die Begriffe verraten, werden bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zu viele, bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen zu geringe Mengen der Hormone T3 und T4 gebildet.

Deshalb nimmt bei einer Hypothyreose die Energie ab, man ist müde und antriebslos, friert schnell, Blutdruck und Pulsschlag sinken und der Bauchumfang wächst. Menschen mit einer Überfunktion der Schilddrüse verlieren immer mehr Gewicht, bekommen oft Heißhungerattacken, schwitzen viel, haben einen erhöhten Blutdruck und einen beschleunigten Puls. Auch das Schlafverhalten kann bei einer Schilddrüsenüberfunktion und -unterfunktion gestört sein.

Was hat die Schilddrüse mit unserem Schlaf zu tun?

Wissenschaftliche Forschungen zeigen, dass zum Einschlafen und Durchschlafen die „richtige“ Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut vorliegen muss. Bei einer Schilddrüse Über- und Unterfunktion kann der Körper den Hormonspiegel während der Nachtruhe nicht in den erforderlichen Grenzen halten.

Betroffene schlafen nicht gut ein und die Tiefschlafphasen werden immer wieder unterbrochen. Deshalb fühlt man sich am nächsten Morgen unausgeschlafen und ist ständig müde. Trotzdem klappt es am Abend wiederum nicht mit dem erholsamen Schlaf. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schlafproblemen in der Nacht und Müdigkeit am Tag.

Als britische Wissenschaftler vor mehr als zehn Jahren dieses Phänomen erforschten, entdeckten sie eine neue, unbekannte Eigenschaft unserer Schilddrüsenhormone: T4 und T3 kontrollieren nicht nur den Stoffwechsel, sondern wirken auch als Botenstoffe (sogenannte Neurotransmitter) im Gehirn. Sie beeinflussen sämtliche Teile unseres Gehirns, die mit dem Schlafen zu tun haben.

Unterstützt werden diese Erkenntnisse durch Forschungen über den Winterschlaf von Tieren. Untersuchungen mit Bären ergaben, dass der Organismus mit dem Beginn des Winterschlafs die T3- und T4-Produktion herunterregelt. Am Ende des Winters schüttet der Körper verstärkt Schilddrüsenhormone aus und das Tier wacht auf.

Auf den Menschen übertragen bedeutet das: Mit einer Schilddrüsenunterfunktion ist man im Winterschlaf-Modus. Da die Betroffenen von ihrem Arzt das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin verordnet bekommen, nimmt nach jeder Einnahme die Konzentration an T4 und T3 im Blut deutlich zu. Dadurch wacht der Patient immer wieder aus seinem „Winterschlaf“ auf.

Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, Schilddrüsenmedikamente richtig einzustellen. Dann verbessert sich mit der Zeit das Schlafverhalten und der Teufelskreis wird durchbrochen.

Wie diagnostizieren Ärzte eine Über- und Unterfunktion?

Am einfachsten lässt sich eine Schilddrüsenerkrankung dadurch feststellen, dass der Hausarzt Blut aus einer Vene abnimmt und an sein Labor schickt. Dort werden die Hormone T3 und T4 sowie der sogenannte TSH-Wert bestimmt. Die Abkürzung TSH steht für Thyreoidea (Schilddrüse) stimulierendes Hormon.

Es wird in der Hirnanhangdrüse hergestellt und sorgt für die Bildung und Freisetzung von T4 und T3. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion liegen T3 und T4 unterhalb des Normalbereichs. Da der Organismus den Mangel an Schilddrüsenhormonen ausgleichen will, ist der TSH-Spiegel erhöht. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion verhält sich die Situation genau umgekehrt: Der TSH-Wert liegt unterhalb und die T4- und T3-Spiegel oberhalb des Normalbereichs.

In der Praxis verhält sich die Situation oft komplizierter. Das gilt vor allem für den Beginn einer Schilddrüsenerkrankung. Deshalb sind noch weitere Untersuchungen bei einem Facharzt erforderlich.

Besser schlafen trotz Hypothyreose

Der wichtigste Ratschlag von Ärzten bei einer Schilddrüsenunterfunktion lautet, die Hormone T3 und T4 richtig einzustellen. Dies geschieht durch die regelmäßige Einnahme des Medikaments L-Thyroxin. Zudem ist es ratsam, folgende Tipps zu beherzigen:

  1. Die Temperatur im Schlafzimmer sollte nicht zu warm aber auch nicht zu kalt sein. Viele Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion bevorzugen einen Temperaturbereich zwischen 18,5 und 19,5 Grad.

  2. Wenn Sie bereits eine Stunde, bevor Sie zu Bett gehen, das Licht in der Wohnung dimmen, wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin in Gang gesetzt. Im Schlafzimmer selbst sollte es möglichst dunkel sein. Denn bei Dunkelheit kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Melatonin. Wem hier der notwendige Schlafdruck fehlt, kann diesen durch die Einnahme von Melatonin Produkten ausgleichen. Derartige Produkte finden Sie z.B. im Schnarchshop.

  3. Vor dem Schlafengehen sollten Sie nicht mehr an stressige oder ärgerliche Situationen denken. Am besten entspannen Sie sich mit einem warmen Bad, leiser Musik, Duftkerzen oder einem guten Buch. Mit ihrem blauen Licht stören Fernseher, Computer-Bildschirme und Smartphones den natürlichen Schlaf-wach-Rhythmus und gehören nicht ins Schlafzimmer.

  4. Besonders wichtig sind das Bettsystem und die richtige Matratze. Nur dann ist ein gesunder Tiefschlaf gewährleistet.

  5. Wer abends noch eine schwere Mahlzeit zu sich nimmt, belastet Schilddrüse und Stoffwechsel. Kein Wunder, dass es zu Schlafstörungen kommen kann. Besser sind leichte Snacks mit möglichst wenig Kohlenhydraten. Falls Sie Schokolade oder zuckerhaltige Getränke vor dem Schlafengehen zu sich nehmen, steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Anschließend muss der Körper Schwerarbeit verrichten, anstatt sich auf die Nachtruhe vorzubereiten.

Was kann man noch für seine Schilddrüse tun?

Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, liegt häufig ein Defizit an Mineralien und Vitaminen vor. Bekannt ist vor allem der Jodmangel. Da in Deutschland die Ackerböden kaum Jod enthalten, kommt es schnell zu einer Unterversorgung. Das Gleiche gilt für das lebensnotwendige Spurenelement Selen. Wird nicht genügend Jod oder Selen mit der Nahrung aufgenommen, produziert unser Körper keine ausreichenden Mengen der Hormone T4 und T3.

Zur Unterstützung der Schilddrüse sind zusätzlich Zink, Eisen und die Aminosäure Tyrosin wichtig. Bei einer permanenten Müdigkeit beziehungsweise einer Winterdepression kann ein unerkannter Mangel an Vitamin B12 oder Vitamin D vorliegen. Beide Defizite treten so häufig auf, dass viele Heilpraktiker und Ärzte mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren die Blutwerte dieser Vitamine regelmäßig überprüfen.

Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, versorgt seinen Organismus mit wertvollen Nährstoffen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion eignen sich besonders pflanzliche Eiweißquellen wie Soja und Hülsenfrüchte. Auch Salzwasserfische sind hervorragende Eiweißlieferanten. Darüber hinaus enthalten sie Jod und wertvolle Omega-3-Fettsäuren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Aufbau einer gesunden Darmflora. Denn bei Menschen mit Schilddrüsenproblemen haben sich fast immer krankmachende Bakterien anstelle der nützlichen Mikroorganismen im Darm angesiedelt. Mit ballaststoffreichen Vollkornprodukten und fermentierten Nahrungsmitteln wie Naturjoghurt, Sauerkraut, Kombucha, Buttermilch, Kimchi oder Kefir können Sie eine gesunde Darmflora aufbauen.

Gemüse- und Obstsorten, die sogenannte Präbiotika enthalten, begünstigen ebenfalls die Ansiedlung gesundheitsfördernder Bakterien. Mit dem Begriff Präbiotika werden Nahrungsbestandteile bezeichnet, die das Wachstum nützlicher Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt fördern. Gute präbiotische Lebensmittel sind unter anderem: Rote Bete, Chicorée, Möhren, Kohlrabi, Zwiebeln, Brokkoli, Pastinaken, Knoblauch, Petersilienwurzel, Süßkartoffeln, Radieschen, Artischocken, Papayas, Äpfel und Bananen.

Hinweis

Wenn Sie eines der oben genannten Symptome an sich selbst bemerken, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Nur ein Arzt kann sicher feststellen, ob eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegt und wie sie behandelt werden muss.




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