Die Schlafkultur beschreibt kulturelle und geschichtliche Aspekte des Schlafens. Zur Schlafkultur gehört das Wann, das Wo und das Wie sich Menschen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten schlafen legen beziehungsweise gelegt haben.

Die Kultur eines Landes, die Gesellschaft, aber auch technische Errungenschaften haben und hatten immer Einfluss auf den Schlaf der Bewohner.

Forschungen und Aufzeichnungen zu diesem Thema sind rar. Wissenschaftliche Arbeiten, die anhand der Schlafgewohnheiten verschiedener Völker, insbesondere noch sehr naturnah lebender, Rückschlüsse auf die evolutionären Ursachen des Schlafes geben wollen, wurden erst in neuester Zeit unternommen.

Praktisch alle Schlafforschungen basieren auf westlicher Schlafkultur. Zukünftige Forschungen dürften sich vermehrt um die kulturübergreifenden Unterschiede des Schlafens kümmern.

Schlafkulturen im Schnelldurchgang:

  • In vielen nomadischen Kulturen wird während des Tages mehrmals geschlafen, wenn es die Arbeit gerade zulässt.
  • Bei Völkern, die Ackerbau betreiben, wechselt der Schlaf-Wach-Rhythmus mit der Jahreszeit.
  • Im alten Ägypten und in der Antike schliefen die meisten Menschen auf dem Boden. Als Unterlage diente Stroh oder eine Matte. Reiche Frauen und Männer der Oberschicht dagegen kannten bettähnliche Schlafmöbel. Zudem besaßen sie Schlafzimmer, oftmals jeder sein eigenes.
  • Bei den alten Römern hatte das Liegen und Schlafen eine wichtige Bedeutung. Viele Tätigkeiten wurden in der Horizontalen ausgeführt. Zum Lesen, Schreiben und Essen diente das Lectulus, ein kleines Bett. Für größere Gelage und für Orgien stand das Triclinium, eine Art Sofa, zur Verfügung. Mit dem Cubiculum gab es in den Patrizierhäusern bereits Räume, die wir heute Schlafzimmer nennen würden.
  • Das 5. Jahrhundert bescherte Europa auch einen Rückschritt der Schlafkultur. Erst Karl der Große brachte das Bett wieder – zumindest für die Reichen. Die Armen schliefen auf dem Boden auf Stroh oder einer Unterlage.
  • Im Mittelalter wurde, ohne Bekleidung und Schlafanzug, meist nackt und in einem Raum geschlafen.
  • Im 12./13. Jahrhundert kamen Bettrahmen mit quergespannten Gurten auf. Mit Bettkasten und Lattenrost ähnelte das Schlafgestell unseren heutigen Betten. Für die Reichen gab es gefüllte Decken und Kissen.
  • Ab dem 15. den Schlafzimmern der Reichen die Betten prunkvoll mit aufwendigen Schnitzereien oder Verzierungen gearbeitet. Matratzen oder weich gefüllte Säcke dienten als Unterlage zum Schlafen. Das niedrige Volk schlief dagegen in Gruppen, leicht bekleidet oder nackt.
  • Unter Ludwig XIV. (1638 bis 1715) erreichte die europäische Schlafkultur ihren absoluten Höhepunkt. „Lever du roi“ – der Sonnenkönig empfing im Bett. Dieser Moment galt als gesellschaftliches Highlight des Tages. Die Oberschicht tat es ihrem König nach. Der Empfang im Bett galt als „en vogue“.
  • Schlafzimmer wurden ab dem 17. Jahrhundert zunächst wieder in Adelshäusern, Es war nicht unüblich, dass adlige Ehegatten getrennte Zimmer oder unter Umständen getrennte Gebäudetrakte bewohnten. In armen Bevölkerungsschichten teilten sich hingegen alle Familienmitglieder das Bett. Auch dem Gast wurde das gemeinsame Bett angeboten.
  • Erst Im 19. Jahrhundert wurde das Schlafzimmer ein separater, intimer Raum.
  • Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war es üblich, dass jeder ein gemeinsames Bett für sich hatte.
  • Schlafgelegenheiten waren früher sogar in den Gaststätten Mangelware: Es wird berichtet, dass die Hälfte der Gesellschaft nur bis Mitternacht schlief, während die andere Hälfte, die bis dahin ihren Vergnügungen nachging, später zur Ablösung erschien.
  • Nach Ende des Krieges war Wohnraum in Deutschland knapp. Deswegen waren Schlafzimmer Mangelware. Flüchtlinge und Ausgebombte wurden bei jenen Menschen einquartiert, die eine mehr oder weniger intakte Wohnung hatten. Spezielle Schlafcouches und Bettsessel wurden für all jene entwickelt, die das Wohnzimmer in der Nacht zum Schlafzimmer umfunktionierten.

Ob im Paradebett oder auf Stroh, mit Zipfelmütze oder nackt, allein oder in der Gruppe – alles zu seiner Zeit und an seinem Ort. Das galt früher wie heute.



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