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Markus Kamps, Schlafperformer im Interview zum Thema Rückenschmerzen und Matratzenkauf mit dem Physiotherapeuten Timo Reinbold direkt von der Front

Herr Reinbold – was ist der Schwerpunkt Ihrer täglichen Arbeit?

In meiner täglichen Arbeit als Physiotherapeut begegne ich den unterschiedlichsten Krankheitsbildern, die sämtliche Körperregionen betreffen und die verschiedensten Ursachen haben können. Der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von muskulären und faszialen Schmerzen. Diese können durch Einseitigkeit im Beruf oder Alltag, Fehlhaltungen oder einer ungünstigen Schlafposition ausgelöst oder negativ beeinflusst werden. Desweiteren kommen in unsere Praxis frisch operierte oder akute Schmerzpatienten. Interessant zu beobachten ist auch, dass das Thema Stress immer mehr in den Vordergrund tritt. Daher müssen Patienten auch auf dieser Ebene ganzheitlich behandelt werden, um noch bessere Therapieerfolge zu erzielen. Nimmt man dann noch den gesunden Schlaf mit ins Boot, ist für den Patienten schon sehr viel Gutes getan. Aus diesen Gründen habe ich mich genau auf diese 3 Gebiete spezialisiert.

Mir selber als Schlafberater ist in vielen Gesprächen aufgefallen, dass der Schlaf unterschätzt wird und beim Thema Schlaf das Bett ganz besonders.

Wie stehen Sie zum unterschätzten Wert des Bettes oder der Matratze?

Interessanterweise höre ich das eine oder andere Mal von meinen Patienten, dass sie sich günstige Matratzen kaufen, manche sogar immer noch eine Spanplatte darunter liegen haben. Die Macht der Gewohnheit dominiert, obwohl dieses bescheidene Liegen und Schlafen die Beschwerden der Patienten gewiss nicht bessert. Gerade meinen chronischen Schmerzpatienten empfehle ich eine ausgiebige und kompetente Schlafberatung um nachts für eine optimale passive Entspannung der betroffenen Muskeln, Bandscheiben oder Gelenken zu sorgen. Genau das erfüllen die heutigen Schlafsysteme, man muss sich nur im richtigen Fachgeschäft beraten lassen.

Ganz besonders ist das Thema falsches Kissen und Nackenschmerzen im Mittelpunkt – was gilt es hier zu beachten? 

Teil 1: Schulter – Halswirbelsäule – Kopf

Verspannte Muskulatur, Kribbelnde Finger, Bandscheibenprobleme, blockierte Halswirbel, Kopfschmerzen, Migräne sind die häufigsten Probleme aus der Praxis, die nachts einen erholsamen Schlaf verhindern! Bitte beachten Sie, dass diese Beschwerdebilder von einer falschen Liegeposition negativ beeinflusst, langfristig aber auch ausgelöst werden können. Die Gefahr, durch ein nicht individuell angepasstes Schlafsystem in einen Teufelskreislauf zu geraten, ist groß.

Falsches Liegen – Verspannungen – Druck auf Nerven und Bandscheiben steigt – unruhiger und gestörter Schlaf – ungenügende Regeneration verletzter Bandscheiben – der Bandscheibenvorfall und Nervenkompressionen sind nur noch eine Frage der Zeit.

Zur Entstehung: Der Körper fährt reflektorisch und unterbewusst die Muskelspannung hoch, wenn der Kopf schlecht gelagert ist. Die Verspannungen werden mehr, was den Bandscheiben und Nerven auf Dauer immer mehr Druck macht. Negativ begünstigt wird das ganze durch unruhiges Schlafverhalten, das Verarbeiten des Tagesgeschehens und Alpträumen. Dies wiederum führt bei vielen Menschen zu Kieferpressen oder Zahnabrieb, weswegen viele eine Beißschiene benötigen. Dieses Pressen verstärkt die oben genannten Beschwerden – der Teufelskreis schließt sich.

Wichtig ist es, in solchen Fällen immer einen Arzt zu konsultieren. Haus-, Fach- oder Zahnarzt stellen die Diagnose, verschreiben gegebenenfalls Medikamente, überweisen Sie aber auch zu einem Physiotherapeuten.

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Ja, Danke – das Netzwerk oder das Vertrauen in echte Hilfe wird immer bedeutsamer 

Was kann ich nun konkret gegen meine Kopfschmerzen/Migräne/Verspannungen tun?

Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Schmerzen von einer zu hohen Muskel- und Faszienspannung ausgehen, ist das wichtigste, diese zu entspannen. Um beispielsweise dem rechten Trapezmuskel, der vom Schulterdach zum Hinterkopf geht, etwas Gutes zu tun, greife ich mit meiner linken Hand von vorne flächig auf ihn drauf und dehne ihn 1 Minute lang, indem ich ihn nach vorne ziehe. Das gleiche mache ich für die andere Seite mit der rechten Hand. Optimalerweise jede Seite 2-3mal, sodass ich nach dem Dehnen eine deutliche Entlastung spüre. Eine weitere Übung gegen Spannungskopfschmerzen ist es, mit 4 Fingerkuppen beider Hände von der Halswirbelsäule aus, mit kräftigem, aber noch angenehmen Druck über die Nackenmuskeln nach außen zu streichen. Habe ich akute Kopfschmerzen, lege ich beide Hände flächig an meinen Kopf, gebe einen angenehmen Druck, als würde ich etwas auspressen. Das wiederhole ich so oft, bis ich Entlastung spüre. Vorher eine angenehm warme Dusche, bei der ich mit einer Bürste mein Bindegewebe und somit meine Faszien im schmerzhaften Bereich löse und lockere.

Was kann ich nun prophylaktisch für mich tun um HWS Schmerzen zu verhindern?

Abwechslung heißt das Zauberwort. Um Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen zu verhindern, muss ich regelmäßig Ausgleichsübungen, wie oben beschrieben, durchführen. Jeder hat eine Intuition, ein optimales Gespür für sich und seinen Körper, um rechtzeitig intervenieren zu können. Generell ist es empfehlenswert, Einseitigkeit, monotones Arbeiten, d.h. stundenlanges Sitzen in der selben, womöglich falschen Haltung, zu unterbrechen, indem ich einmal pro Stunde aufstehe und individuelle Ausgleichsübungen mache.