Als Präventologe und neues Vorstandsmitglied des Berufsverband der Präventologen freue ich mich sehr, meine Arbeit künftig noch aktiver und wirksamer in Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen einbringen zu können. Gesundheit und Prävention gehören heute mehr denn je in die Mitte unseres Alltags – in Organisationen, Führungskulturen, Arbeitswelten und private Lebensräume.
Salutogenese: Der Blick auf das, was gesund hält
Ein zentraler Grundsatz meiner Arbeit ist die Salutogenese. Sie stellt nicht die Frage: Was macht krank? – sondern: Was hält Menschen gesund?
Im Fokus stehen Ressourcen, Selbstwirksamkeit, Sinnhaftigkeit und die Fähigkeit, mit Belastungen konstruktiv umzugehen. Prävention bedeutet damit keinen Verzicht, sondern Stärkung, Orientierung und den Aufbau nachhaltiger Gesundheitskompetenz.
Schlafbewusstsein: Eine unterschätzte Präventionsressource
Ein besonderes Anliegen ist mir das Schlafbewusstsein. Schlaf zählt zu den wirksamsten – und zugleich am meisten unterschätzten – Ressourcen der Gesundheitsprävention.
Wissenschaftlich ist gut belegt: Unsere innere Uhr wird maßgeblich durch Hell-Dunkel-Reize gesteuert.
- Im Sommer, bei langen, hellen Tagen, liegt die nächtliche Melatoninausschüttung häufig nur bei etwa 4,5 bis 6 Stunden.
- Im Winter, mit kürzeren Tagen und längeren Dunkelphasen, steigt sie auf rund 8 bis 9,5 Stunden an.
Diese jahreszeitlichen Unterschiede beeinflussen Energie, Stimmung, Regeneration und Leistungsfähigkeit erheblich. Werden sie ignoriert, kann dies zu Erschöpfung, Schlafstörungen oder dem sogenannten Winterblues führen.
Wenn Gewohnheiten uns schwächen
Gerade in der dunklen Jahreszeit zeigen sich typische Verhaltensmuster, die unsere Gesundheit eher beeinträchtigen als stärken:
- Rückzug und soziale Isolation können Niedergeschlagenheit verstärken.
- Unregelmäßige Schlafzeiten, spätes Zubettgehen und intensiver Bildschirmkonsum stören den biologischen Rhythmus.
- Zu wenig Tageslicht bringt Melatonin- und Serotoninbalance aus dem Gleichgewicht.
- Übermäßig lange Schlafzeiten sowie ungünstige Ernährungsgewohnheiten (viel Zucker, schwere Mahlzeiten oder Alkohol) rauben Energie statt sie zu geben.
Einfache Impulse mit großer Wirkung
Dem gegenüber stehen einfache, wirksame Präventionsmaßnahmen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen:
- Regelmäßig nach draußen gehen – selbst bei grauem Wetter – als stärkster natürlicher Taktgeber unserer inneren Uhr.
- Konstante Schlaf- und Aufstehzeiten, die dem Körper Orientierung und Sicherheit geben.
- Gezielte Lichtnutzung, insbesondere am Morgen oder durch Lichttherapie, zur Stabilisierung der Stimmung.
- Sanfte, regelmäßige Bewegung zur Förderung von Tiefschlaf und Stressabbau.
- Leichte, nährstoffreiche Ernährung zur Unterstützung von Immunsystem, Energie und Regeneration.
Prävention braucht Haltung, Wissen und Alltag
Mein ehrenamtliches Engagement im Vorstand des Berufsverbandes der Präventologen verstehe ich als Verantwortung, diese Zusammenhänge fundiert, verständlich und praxisnah in die Öffentlichkeit zu tragen – für Unternehmen, Institutionen und jeden Einzelnen. Prävention wirkt dort am besten, wo Wissen, Haltung und Alltag zusammenkommen.
In diesem Sinne wünsche ich allen erholsame Nächte – ohne Winterblues – und einen gesunden, kraftvollen Start in das neue Jahr.
Markus Kamps
Präventologe
Vorstand – Berufsverband der Präventologen
