Bild: Raupe des Seidenspinners, ca. 30 Tage alt, kurz vor dem verpuppen. Zum Größenvergleich ein Fingerring im Vordergrund

Das Ursprungsland der Seide ist China und die Seidenraupenzucht ist ein Teil der chinesischen Kultur. Heute wird Seide in Griechenland, Ungarn, Italien, Südfrankreich und Spanien erzeugt, jedoch ist China nach wie vor Hauptlieferant von Naturseide vor Indien und Japan

Seide ist eine tierische Faser aus den Kokons des gezüchtigten Maulbeerspinners, einer Schmetterlingsart deren Raupen sich von den Blättern des Maulbeerbaums ernähren und die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser. Die Seide wird daher auch „Maulbeerseide“ genannt.

Der eigentliche Hersteller der Seide ist der Seidenspinner, ein Nachtfalter, dessen Weibchen zwischen 300 und 500 Eier legt und dann stirbt. Aus den befruchteten schlüpfen nach dem Überwintern die Seidenraupen, die sich von den Blättern des Maulbeerbaumes ernähren.
Nach ca. 35 Tagen verpuppt sich die Raupe und ist spinnreif. Sie presst aus zwei, neben dem Mund befindlichen Drüsen einen zähen Brei, den Seidenschleim (besteht überwiegend aus Proteinen), der an der Luft sofort zu einem Faden erstarrt. Indem die Raupe beim Austreten des Materials gezielte Kopfbewegungen macht, legt sie Fadenwindung für Fadenwindung um sich herum und ist so in kurzer Zeit von einem dichten Seidengespinst, dem Kokon, eingeschlossen, der wiederum aus einem einzigen bis zu 900 Meter langen Faden besteht.
Um unbeschädigte Kokons zu erhalten, werden die Tiere meist im Heißdampf getötet um die Fäden zu lösen und abzuhaspeln. Aus ca. 5000 Raupen und dem ca. 1000 m langem Faden werden etwa 120 Kg Rohseide gewonnen.
Aus dieser Rohseide wird in der Bettenbranche u.a. Seidenbettwäsche hergestellt, allerdings ist der Anteil der Seidenbetten, die tatsächlich auch eine Seidenhülle aufweisen, gering. Er beträgt zwischen 2% und 3 % auf dem Markt, d.h. die Seidenhülle ist gar nicht ausschlaggebend für den Begriff ‚Seidenbett‘. Allerdings ist dieser geringe Prozentsatz nur daher zu erklären, dass es eine ungeheure Menge an Betten aus Wildseiden gibt, die jährlich hergestellt werden.
Seidenfilamente ergeben feine Gewebe mit geringem Lufteinschluß, sie liegen glatt auf der Haut und wirken deshalb kühlend
Schlafen in Seidenbettwäsche ist nicht nur sehr angenehm auf der Haut, sondern hat auch noch sehr viele andere positive Eigenschaften. Seide ist z.B. temperatur- und feuchtigkeitsausgleichend, wirkt deshalb kühlend und sie liegt glatt auf der Haut.
Sie ist daher sehr gut für den Sommer einsetzbar. Aber auch Menschen mit Allergien oder in den Wechseljahren empfinden Seidenbettwäsche als angenehm.

Die Wildseide – auch „Tussahseide“ genannt – ist als Füllmaterial in Sommerdecken von Bedeutung. Die Bezeichnung „Wildseide“ ist ein wohlklingender Name für ein besonders exklusives Produkt.
Tussahspinner. Beim Schlüpfen entsteht ein Loch, das den Seidenfaden mehrfach durchtrennt. Dadurch erhält Wildseide ihre typische Struktur mit den charakteristischen kleinen Knötchen. Die Kokons der wild lebenden Tussahspinner werden von Bäumen und Sträuchern gesammelt. und sind im Normalfall durch das Ausschlüpfen der Schmetterlinge bereits zerstört – d.h. sie haben ein Loch. Dadurch ist der ursprünglich endlos laufende Seidenfaden vielmals unterbrochen und deshalb lassen sich solche Seiden- Kokons nicht mehr abhaspeln. Es ist nicht möglich daraus den bekannten Seiden- Endlosfaden zu erhalten. Deshalb werden Wildseiden ähnlich verarbeitet wie kurze Naturfasern und durch kardieren zu einem Vlies verarbeitet, wobei hier eine Vielzahl von Variationen wie z.B. verschiedene Füllstärken oder Mischungen mit anderen Materialien möglich sind. Dies erfolgt um einen günstigeren Endpreis für das fertige Produkt zu erreichen.

Füllungen aus Wildseide
• leiten Wärme schnell ab und ist deswegen eher kühlend.
• sind leicht und geschmeidig
• können etwa ein Drittel ihres Gewichtes an dampfförmiger Feuchtigkeit speichern, ohne sich feucht anzufühlen
• sind allerdings empfindlich gegen Schweiß, Deos und Parfüm
• ohne besondere Ausrüstung nicht waschbar.

Laut der neuen europäischen Textilkennzeichnungsverordnung (Verordnung EU Nr. 1007/2011) darf Seide nur wie folgt gekennzeichnet werden:

‚Seide‘
für Fasern, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnen werden

Deshalb ist zu beachten, dass in der Rohstoffgehaltsangabe nur exakt die
Bezeichnung ‚Seide‘ verwendet darf. Begriffe wie ‚Tussahseide‘, ‚Wildseide‘ oder auch Zusätze wie ‚echte‘ Seide, ‚reale‘ Seide oder ‚Naturseide‘ sind verboten.



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