Das Thema Elektrosmog schlägt immer wieder hohe Wellen, viele Menschen fragen sich, ob elektrische Geräte wie W-LAN-Router oder Handys gar ihren Schlaf stören können. Grundsätzlich gibt es zwei Fraktionen: Die einen spielen mögliche Gefahren herunter, die anderen verbreiten mitunter eine Art Panikstimmung und sind der festen Überzeugung, dass Elektrosmog gesundheitsschädlich ist oder sogar Krebs auslösen kann. Die Schlafkampagne hat sich das Thema genauer angesehen und gibt einen Überblick über bestehende Positionen und den aktuellen Forschungsstand.

Elektrosmog – was ist das eigentlich?
Zuerst muss man klarstellen, dass es sich hierbei nicht um einen wissenschaftlichen, sondern einen umgangssprachlichen Begriff handelt. Unter ihm werden sämtliche elektromagnetische Strahlungen gefasst, denen der Mensch ausgesetzt ist. Viele sind natürlichen Ursprungs, andere kommen durch elektrische Geräte im Haushalt, im Alltag, in der Arbeitswelt zustande. Für diese Geräte gibt es gesetzlich festgelegte Höchstwerte, ausgehend von der Annahme, dass die Überschreitung bestimmter Strahlenbelastungen gesundheitsschädlich sein könnte. Allerdings herrscht bezüglich dieser Höchstwerte keine Einigkeit, die gesetzlichen Festlegungen unterscheiden sich von Land zu Land mitunter deutlich. Beispiel Mobilfunk: der deutsche Grenzwert beträgt ganze 10.000 mW/m², in Russland, Italien und weiteren Ländern gelten hingegen gerade mal 100 mW/m² als zulässig. Dort ist man offenbar sensibler, was das Thema betrifft, aber auch die deutsche Politik beschäftigt sich immer wieder damit. So hieß es von Seiten der Bundesregierung im Juli 2007: „Die Bundesregierung empfiehlt allgemein, die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten, d. h. herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen, wenn auf den Einsatz von funkgestützten Lösungen verzichtet werden kann.“

Sie hält sich damit an die Vorgabe der WHO, grundsätzliche Vorsicht im Umgang mit technischen Geräten walten zu lassen. Man muss sich aber bewusst sein, dass es sich hier um eine Empfehlung, keine verbindliche Vorgabe handelt. Die Europäische Umweltagentur EEA stellt zumindest fest, dass es ratsam ist, Kinder, kranke Menschen und bestimmte Risikogruppen elektrischer Strahlung nicht länger als unbedingt nötig auszusetzen. Der Europarat fordert, die Grenzwerte verbindlich herabzusetzen.
Die WHO hat allerdings bereits im Jahr 2005 klargestellt, dass sich eine Verbindung zwischen bestimmten Beschwerden und elektromagnetischen Feldern nicht nachweisen lässt. Sie weist damit auf ein generelles Problem hin: Zwar gibt es inzwischen über 13.000 Publikationen und hunderte Studien zum Thema, doch existiert bislang de facto keine einzige, die eine signifikante Kausalität zwischen elektrischen Emissionen und Erkrankungen nachweisen konnte. Die meisten Studien weisen lediglich eine Korrelation auf, lassen Kontrollwerte aber völlig außer Acht. Der BUND Für Umwelt- und Naturschutz Deutschland empfiehlt ebenfalls, Vorsorge zu betreiben und vor allem für Kinder die Belastung gering zu halten gesteht aber ein, dass es bislang keine Studien gibt, die eine Gefahr belegen können.

Aber: „Geeignete wissenschaftliche Studien, die die vorliegenden Aussagen eindeutig widerlegen oder beweisen könnten, sind Mangelware; sie werden praktisch nicht in Auftrag gegeben“ heißt es auf der Website des BUND.
Vertreter der Gefahrentheorie vermuten dahinter wirtschaftliche Gründe und Lobbyinteressen. Tatsächlich ist es so, dass die Betreiber der Mobilfunknetze sich gegen niedrigere Grenzwerte sträuben und ebenfalls darauf verweisen, dass ernsthafte Gefahren für die Gesundheit bislang nicht nachgewiesen wurden. Dem scheint entgegenzustehen, dass das Bundesumweltministerium erst Anfang August 2012 die zulässigen Grenzwerte herabgesetzt hat, was laut Bundesnetzagentur zu Verzögerungen im weiteren Ausbau der Netze führen werde. Allerdings habe diese Herabsetzung, so berichtet die Wirtschaftswoche mit Berufung auf das Umweltministerium, eher populistische Gründe: Offenbar will man mit diesem Schritt eine erhöhte Akzeptanz für den Netzausbau erzielen.

Rund um das Thema Elektrosmog ist längst eine ganze Industrie entstanden, von Baubiologen, die versprechen, die Elektrosmogbelastung im Wohn- oder Arbeitsraum zu senken, bis hin zu Anbietern von Accessoires, die vorgeben, mögliche Gefahren einzuschränken – beispielsweise spezielle, strahlenabweisende Hüllen für Handys und andere Mobilgeräte wie Smartphones oder Tablets. Faktisch erzielt man mit solchen Hüllen aber den gegenteiligen Effekt: Schränkt man die Sendemöglichkeiten eines solchen Geräts künstlich ein, arbeitet es automatisch mit größerer Energie, um trotz Einschränkung die gewohnte Leistung bringen zu können. Das bedeutet im Klartext: Die unmittelbare Strahlenbelastung nimmt zu.

Nimmt man nun an, dass von elektromagnetischer Strahlung tatsächlich eine Gesundheitsgefahr ausgeht und fragt einen Baubiologen, der die Belastung verringern soll, muss man sich bewusst sein, dass „Baubiologe“ in Deutschland kein eingetragener Beruf ist. Im Grunde kann sich jeder so nennen, der sich im Selbststudium ein paar oberflächliche Kenntnisse zum Thema angeeignet hat. Es gilt hier also, sehr genau hinzuschauen, über welche Grundqualifikation der Baubiologe verfügt und welche Methoden er verwendet. Sicher sein kann man nur bei reproduzierbaren, wissenschaftlich fundierten Messmethoden.

Grundsätzlich gilt es beim Thema Elektrosmog, einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht in Panik zu verfallen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum sagt zum Beispiel im Zusammenhang mit Mobilfunk: „Ein Risiko kann derzeit auch noch nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.“ Das bedeutet: Ein nachgewiesenes Risiko existiert bislang nicht. Es ist aber möglich, dass ein solcher Nachweis in Zukunft noch erfolgt.