Schlafdefizit

Unter Schlafdefizit verstehen wir einen Mangel an individuell benötigtem Schlaf. Nach einer repräsentativen Umfrage einer Göttinger Arbeitsgruppe leiden 25% aller Westdeutschen zumindest zeitweilig an Schlafdefizit.

Jim Horn, Direktor des britischen Schlafforschungszentrums der Universität Loughborough hält die Behauptungen für übertrieben. Der Mensch schläft nämlich heute im Durchschnitt deutlich mehr als noch vor 150 Jahren und die gesundheitlichen Folgen von chronischem Schlafmangel seien in der Realität so gut wie vernachlässigbar. Jim Horn hält den Mythos des kollektiven Schlafmangels für gefährlich. Dadurch werde noch mehr unbegründete Sorge im Bereich Gesundheit und Lebensführung erzeugt. Nicht zuletzt steige so auch der Bedarf nach noch mehr Schlafmittel.

William Dement, Schlafforscher an der kalifornischen Stanford-Universität, dagegen meint: “Schlafentzug macht dumm.” Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschenmit großen Schlafdefiziten im Alter besonders anfällig sind für Fettleibigkeit, Diabetes und erhöhten Blutdruck.

“Beeinträchtigungen des menschlichen Verhaltens treten schon ab zwei Stunden Schlafdefizit auf”, meint Thomas Roth, Vorsitzender der Schlafmedizinischen Abteilung am Henry-Ford-Hospital in Detroit. Und bei einem Schlafmangel von zehn Stunden sei es beispielsweise unverantwortlich, einen Bus zu fahren.

Was das Schlafdefizit betrifft, muss man also von großen interindividuellen Unterschieden ausgehen.

Was tatsächlich ausreichend ist, variiert von Mensch zu Mensch. Generell werden Lang-, Mittellang- und Kurzschläfer unterschieden und während der Langschläfer in der Regel mindestens acht bis zehn Stunden Schlaf benötigt, kommt der Kurzschläfer bisweilen mit sechs oder gar weniger Stunden aus.

Schichtarbeiter, Ärzte, Krankenschwestern, Fernfahrer und Beschäftigte im Nachtdienst leiden oft an einem Schlafdefizit.

Jetlag ist nur ein Modellfall für Schlafdefizit und für die Veränderung des Tages und Nachtrhythmus, Ebenso kann unsere moderne Arbeitswelt und Freizeitgestaltung bei vielen Menschen unter ein Schlafdefizit hervorrufen.

Von einem krankhaften Schlafdefizit geht man dann aus, wenn sich die nachfolgend genannten Beschwerden des nicht erholsamen Schlafes innerhalb eines Monats jeweils mindestens dreimal pro Woche wiederholen.

  • abendliches Nicht-Einschlafen-können
  • häufiges Kurzerwachen
  • längeres nächtliches Wachliegen
  • frühmorgendliches Erwachen
  • Gedankenkreisen und Problemgrübeln
  • angstvolle Erwartung neuerlicher nächtlicher Schlafstörungen
  • unruhiger und flacher Schlaf
  • Krämpfe in den Beinen
  • Bewegungsunruhe, meist ebenfalls im Bereich der Beine
  • lautes und unregelmäßiges Schnarchen
  • nächtliche Atempausen

Die Folgen von einem Schlafdefizit sind:

  • schlechte Konzentration
  • Gereiztheit
  • depressive Verstimmung
  • Sekundenschlaf
  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Antriebsschwäche
  • Gefühle allgemeinen Unwohlseins

Kommt zu diesem Schlafdefizit noch ein durch eine Schlafstörung bedingter „nicht erholsamer Schlaf“ kann dies zu ernsten gesundheitlichen Schäden führen.

Die Behandlungsmaßnahmen bei Schlafdefizit lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Behandlung körperlicher Faktoren, wie z.B.:
  • Herzmuskelschwäche
  • Bluthochdruck
  • Lungenasthma
  • Geschwürleidens an Magen oder Zwölffingerdarm
  • Verbesserung der Schlafhygiene
  • Behandlung zugrunde liegender psychischer Probleme, wie z.B.:
  • depressiven Erkrankungen
  • Quälende negative Gedanken
  • Schlafstörung oft verbunden mit Herzjagen, Schweißausbrüchen und Atemnot
  • Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Ängste und Alpträume
  • Gestörtes Schlafverhalten, wie das Früherwachen

Forscher der Stanford University haben in Versuchen die Einschlafgeschwindigkeit während des Tages aufgezeichnet und ausgewertet. Dort hat sich gezeigt, dass – je höher das Schlafdefizit, desto geringer die Einschlafdauer ist. Dies bedeutet, je weniger Schlaf eine Person hat, desto schneller schläft diese ein. Durch diese Tests ist wissenschaftlich untermauert, dass das sofortige Einschlafen am Abend nicht unbedingt ein Anzeichen für einen gesunden Schlaf ist.



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