Berlin - 21.03.2009
Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch schlafend – in der Regel auf einer Matratze. Grund genug, etwas genauer über die Qualität der Lebensgrundlage nachzudenken. Rund 60 Hersteller bieten zwischen 500 und 600 Matratzen-Varianten auf dem deutschen Markt an – aber mit welcher liegt man richtig? „Die perfekte, die Ideal-Lösung gibt es nur sehr selten“, sagt der Schlaf-Präventologe Markus Kamps, „aber man sollte natürlich versuchen, ihr so nahe wie möglich zu kommen.“ Aber wie? Eine Möglichkeit, die passende, die wirkungsvollste Matratze oder gar ein persönlich am besten geeignetes Liegesystem (Matratze, Unterbau, Kissen) zu finden, ist eine professionelle Liegediagnostik.
Es gibt etwa ein Dutzend Computergestützte und manuelle Mess-Verfahren. Doch im wesentlich analysiert man dabei den Körper auf drei verschiedenen Wegen: per Druckmessung, automatischer (direkte) Messung und Körperbau-Messung (siehe Grafik). Einige Bettenhändler sind für den Schlaf nach Maß mit einem der Mess-Systeme ausgestattet. Eines indes haben alle diese Analyse-Verfahren gemeinsam: Sie erfassen Daten, mit deren Hilfe die Produkte (also Matratzen, Lattenroste/Federungen, Kissen) und deren Wirkung auf den Schlafenden stark individualisiert werden. „Sie sind damit dann besser als bloße Standardware“, meint Kamps. Eigentlich einleuchtend, denn je stärker man vom Norm-Menschen abweicht, desto mehr ist etwa eine individuell abgestimmte Matratze nötig. Deshalb muss der Fach-Berater vor Ort nicht nur die Mess-Daten, sondern auch die persönlichen Merkmale berücksichtigen. Ist der Kunde ein großer Athlet oder sein Körperbau eher schmal (Leptosom) oder gar gedrungen (Pykniker)? Hat er einen Rundrücken, ein Hohlkreuz, schläft er meist auf der Seite, dem Rücken, dem Bauch oder bevorzugt er die Mischlage? Leidet er unter Rückenbeschwerden, Gelenkproblemen und nicht zuletzt: Zu welchem Wärmetyp gehört er (kalt, warm, schwankend)? „Jedes Mess-Verfahren ist letztlich nur so gut wie der Berater, der seine Daten interpretiert und die Hintergründe der Person kennt“, sagt Markus Kamps. Die absenkenden und stützenden Eigenschaften der auszuwählenden Matratze schließlich berücksichtigen diese Werte und Merkmale. Dabei ist die Abstimmung ihrer zwei Grundkomponenten (Bezug und Kern) besonders wichtig. Der Kern besteht sortenreinen oder gemischten Materialien und weist unterschiedliche Festigkeiten (Härtegrade, etwa H2/weich, H4/fest) auf. Die Bezüge sind straff, hochelastisch oder rein ökologisch. Jemand, der warm schläft (Hitzer), sollte einen straffen (kühlen) Bezug wählen.
Natürlich ist es auch möglich, sich genau nach den Mess-Daten seine Matratze maßfertigen zu lassen. Die Kosten sind zwar kaum höher als für eine individuelle Standardmatratze (etwa 500 bis 1000 Euro). Die Maßanfertigung hat allerdings einen Nachteil: Man hat nie zur Probe darauf gelegen.
AUTOMATISCHE MESSUNG
Verfahren Die Person liegt auf einer Mustermatratze. Die Software ist direkt mit dem Unterbau (Lattenrost oder Federungen) gekoppelt, so dass sich der Unterbau (z.B. per Hydraulik) automatisch der spezifischen Verdrängung anpasst und gegebenenfalls stützt. Allerdings kann nicht auf dem Originalprodukt getestet werden. Die Person liegt zwar optimal – aber eben auf einem Musterbett. Dann muss ein Produkt gesucht werden, was dieser Ideallösung möglichst nahe kommt.
Ergebnis Individualisierte Matratze mit abgestimmtem Unterbau, meist an einen Hersteller gekoppelt
DRUCKMESSUNG

Verfahren Zwischen Matratze und Körper liegt eine leichte Mess-Matte. Deren Sensoren erfassen in Seiten-, Bauch- und Rückenlage die Daten des Körperdrucks. Bereiche mit geringem Kontakt (Hohlstellen) und starkem Kontakt (Druckspitzen) können farblich dargestellt werden, was einen Vergleich der in Frage kommenden Matratzen (Festigkeit und Zonengestaltung) und deren Auswahl erleichtert. Vorteil des Verfahrens ist, dass der Berater auf der Matratze zu Hause messen kann.
Ergebnis Individualisierte Standard- oder Maßmatratze, meist nicht an einen Hersteller gekoppelt
KÖRPERBAU-MESSUNG
Verfahren Im Stehen werden relevante Daten wie Rückenlänge, Schulter- und Lendenbreite, Tiefe der Lendenwirbelsäule und des Nackens, die Knieposition und die Kopfbreite vermessen und tabellarisch eingeordnet. Das individuellste aller Verfahren setzt eine hohe Erfahrung und Qualifizierung des Beraters voraus. Er stellt ein Paket zusammen – vom Unterbau über die Matratze, den optimalen Rahmen bis hin zum Kissen.
Ergebnis Eine vom Hersteller unabhängige, ganzheitliche und untereinander abgetimmte Bettlösung
Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost
GRAFIK/ILLUSTRATION: HENRIETTE ANDERS
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