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  • Neue Behandlungsansätze bei Kopf- und Rückenschmerzen

    Internationale Schmerzexperten in der Klinik Roseneck.
    Wenn der Rücken mal schmerzt, so ist das für die meisten Menschen kein Problem. Ab ins nächste Fitnesscenter und der Schmerz ist wieder weg. Doch häufig ist dem Schmerz nicht so einfach beizukommen….
    Wenn der Rücken mal schmerzt, so ist das für die meisten Menschen kein Problem. Ab ins nächste Fitnesscenter und der Schmerz ist wieder weg. Doch häufig ist dem Schmerz nicht so einfach beizukommen. Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung wird das quälende Stechen oder Ziehen zur unvorstellbaren Qual. Selbst die kleinste Bewegung sorgt für Pein.

    Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Schmerz. So auch Mann und Frau. Wie unterschiedlich nun die Schmerzwahrnehmung und -empfindung zwischen den Geschlechtern ist, wurde in mehreren Vorträgen erläutert und es wurden entsprechende Erklärungsmodelle vorgestellt.

    Dr. Gabi Kohlböck
    Dr. Gabi Kohlböck, München
    Als Neuentwicklungen der Psychotherapie bei Schmerzpatienten wurden ein Gruppensettingsmanual bei Kopfschmerzpatienten sowie ein Behandlungskonzept für türkisch sprechende Patienten und eine Bewegungstherapie vorgestellt. Körperliche Aktivität und Schmerz - ein Widerspruch? Keineswegs. In mehreren Vorträgen wurde vor Augen geführt, dass Schonung und Liegen nichts bringen.

    Wie Patienten sich ihre Erkrankung erklären, war ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsbeiträge. Subjektive Krankheitstheorien und Fehlinterpretationen von Körperwahrnehmung (Kausalattributionen) können von großer Bedeutung für Therapie und Krankheitsverlauf sein. Aber auch ungünstige Denk- und Verhaltensmuster spielen eine Rolle. In der Folge wird in der Behandlung versucht, ein adäquates Krankheitsverständis zu entwickeln.

    Ein neuer Behandlungsansatz für Patienten mit chronischen Schmerzen versucht Ergebnisse der Musiktherapie, der Schmerzforschung und Physiotherapieforschung zu vereinen. Einerseits wurde eine Methode vorgestellt, bei welcher der künstlerische Aspekt im Patienten geweckt und ein vorhandenes negatives Selbstbild verändert wird, während ein anderes Konzept auf die entspannungsfördernden Komponenten der Musik setzt.

    Eine Zeitreise in die Vergangenheit machte H. Köhler in seinem historischen Rückblick Über 25 Jahre Verhaltenstherapie. H.-D. Basler hingegen befasste sich mit einem in der Zukunft immer wichtiger werdenden Thema, der Schmerzbehandlung bei Älteren Menschen.

    Weiter wurden Ziele und die Effektivität verschiedener Schmerzbehandlungen diskutiert. Einerseits wurden Lebensziele von Schmerzpatienten im Vergleich zu Gesunden vorgestellt, andererseits die Lebensqualität als Ergebniskriterium von Bandscheibenoperationen referiert. Von beachtlicher Bedeutung für den Behandlungserfolg sind wiederum spezifische Schmerzkognitionen. Zum Beispiel haben sich katastrophisierende Bewertungen der Beschwerden als sehr ungünstig für den Krankheitsverlauf herausgestellt. Vielfach wurde die Wichtigkeit der Modifikation dieser dysfunktionalen Kognitionen betont.

    Konzepte und Erfahrungen aus der Praxis verhaltensmedizinischer Gruppentherapie, die mittlerweile zu den Standardverfahren zur Behandlung chronischer Schmerzpatienten zählt, stießen auf großes Interesse der Fachbesucher. Besonders bewährte Interventionsmethoden wurden anhand von Fallbeispielen und Videoaufzeichnungen dokumentiert. Als hochwirksam wurde außerdem ein Kurzprogramm mit hypnotherapeutischen Elementen bezeichnet. Individuelle, schmerzreduzierende Suggestionen auf Kassette helfen den Patienten bei Schmerzattacken, sich selbst in einen entspannten Zustand zu versetzen.

    Frauen leiden mehr unter Schmerz

    Männer spielen Fußball, Frauen häkeln Spitzendeckchen. Dieses Klischee typischer Rollenvorstellungen ist überholt. Doch im Bereich der Schmerzforschung lassen wissenschaftlich nachgewiesene Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufhorchen.

    Tatsächlich scheinen sich Männer und Frauen in der Schmerzwahrnehmung und -empfindung zu unterscheiden. T. Kohlmann und R. Deck von der Universität Lübeck widmeten ihren Vortrag dem berühmten kleinen Unterschied und berichteten über ausgeprägte Geschlechtsunterschiede im Schmerzerleben. So leiden Frauen häufiger an akuten und chronischen Schmerzen als Männer. Insgesamt fühlt sich 7% der Bevölkerung durch Schmerz sehr stark beeinträchtigt, wobei 8 % Frauen sich durch Schmerz stark eingeschränkt sehen, während bei Männern diese Zahl deutlich geringer (5 %) ist.

    Darüber hinaus zeigen sich bei Frauen häufig schwerere und ungünstigere Schmerzverläufe. Zwar nimmt die Prävalenz von Kopfschmerzen bei Frauen im Altersverlauf ab, Gesichtsschmerzen bleiben jedoch gleich, und Schmerzen in der Hüfte und den Beinen nehmen zu.

    Wie die Ergebnisse des Bundes-Gesundheitssurveys (1997-1999; Bellach et al. 2000) zeigten, bestehen außerdem deutliche Geschlechtsunterschiede bezüglich der Schmerzregionen des Körpers. Das schwache Geschlecht leidet häufiger an so genannten Schmerzsyndromen, d.h. an mehreren Schmerzarten in unterschiedlichen Regionen des Körpers. 40 % der befragten Frauen gaben aktuell Rückenschmerzen an, 36 % klagten über Kopfschmerzen und 29 % der Frauen empfanden Schmerzen in den Schultern. Männer leiden hingegen deutlich weniger an Schmerz in den unterschiedlichen Körperregionen: 32 % Rückenschmerzen, 22 % Kopfschmerzen und 19 % Schulterschmerzen. Bekannt ist weiterhin, dass sich diese Geschlechtsunterschiede mit zunehmendem Alter erhöhen.

    Warum müssen Frauen mehr leiden?

    Eine Ursache vermuten Kohlmann und Deck in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Schmerzintensität: In einigen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Frauen nicht nur eine geringere Schmerzschwelle und Schmerztoleranz aufweisen, sondern allgemein auch eine höhere Schmerzintensität wahrnehmen.

    Kohlmann und Deck sehen mögliche Determinanten dieser Unterschiede zum einen in biologischen Mechanismen, also der Krankheitslast z.B. durch Menstruation, Menopause, Schwangerschaft, sowie in neuroanatomischen und physiologischen Faktoren. Zum anderen führen sie diese Befunde auf psychologische Mechanismen zurück, wie unterschiedli che kognitive und emotionale Repräsentanz der Schmerzen sowie auch unterschiedliche Schmerzbewältigungsstrategien.

    Aber auch unterschiedliche soziokulturelle Mechanismen und externe Faktoren scheinen für diese Abweichungen im Schmerzerleben verantwortlich zu sein: soziale Rollenbilder, soziale Unterstützung, aber auch die Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie. Werden soziodemographische Variablen kontrolliert und z.B. nur berufstätige Frauen befragt, so zeigte sich jedoch, dass der Geschlechtseinfluss nicht geringer wird. Frauen weisen trotzdem ein 2,2fach höheres Risiko als Männer auf, an Schmerzen zu erkranken. Lediglich Frauen der Mittelschicht scheinen ein geringeres Krankheitsrisiko zu haben.

    Insgesamt konnten Kohlmann und Deck systematische Unterschiede bezüglich Geschlechtsunter schieden nachweisen, wobei Frauen generell häufiger und stärker unter Schmerzen leiden und sich insgesamt eine geringe Altersvariabilität zeigt. Eine Konfundierung mit soziodemographischen Variablen konnte nicht bestätigt werden.

    Über experimentelle Geschlechtsunterschiede in der Schmerzwahrnehmung berichtete S. Lautenbacher vom Universitätsklinikum Marburg. Auch bei experimenteller Induktion von Schmerzen bestehen klare Geschlechtsunterschiede, insbesondere bei Druck- und Ischämieschmerz, geringere konnte er bei Hitze- und Elektroschmerz feststellen. Lautenbacher führt die niedrigen Schmerz- und Toleranzschwellen sowie die erhöhten Schmerzratings der Frauen auf die Konsequenz der Stimulation von Nozizeptoren in tiefer liegenden Strukturen (Muskeln, Sehnen) zurück.

    Klinik Roseneck
    Die Klinik Roseneck
    in Prien am Chiemsee
    Er hat herausgefunden, dass die absteigenden Schmerzhemmsysteme stärker auf den Input aus Muskelnozizeptoren als auf die Hautnozizeptoren wirken. Die geschlechtsspezifische Schwächung der absteigenden Schmerzhemmung sieht Lautenbacher als mögliche Ursache der erhöhten Schmerzsensibilität.

    Weitere Informationen: www.schoen-kliniken.de (Klinik Roseneck, Prien)



    Veröffentlicht am 16.06.2011

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